Organisation "Reporter ohne Grenzen" ist mehr als das gute Gewissen der etablierten Medien

Ralf Finke ist Auslandsreporter. Zuletzt war er als Berichterstatter in Afghanistan tätig.
Dort berichtete er von der Front der Nordallianz, von Flüchtlingslagern, Dörfern und Märkten, sowie dem Kinderkrankenhaus und dem Gefängnis von Kabul. In seinen Tagebuchaufzeichnungen "Unter weinenden Himmeln" schreibt er im November 2001:"Drei Reporter sind tot. Sie haben genau das gemacht, was wir alle täglich machen. Wir fragen nach Erlaubnis für einen Dreh an der Front, fahren dort hin und machen unsere Bilder. Wenn geschossen wird, finden wir das bloß spannend, verdrängen, dass dies tödlich sein könnte."

Reporter ohne Grenzen bietet praktische Unterstützung

Reporter ohne Grenzen versucht bedrohte Journalistinnen und Journallisten zu unterstützen. Ralf Finkes Erfahrungen mit der Organisation waren "überaus positiv". Er beschreibt die Arbeit der Lobbyistenvereinigung als seriös und gut organisiert. Es besteht die Möglichkeit für Journalistinnen und Journalisten in akuten Notsituationen eine sogenannte SOS-Nummer anzurufen. Finke hat diese Nummer selbst nicht gebraucht, er hatte sie jedoch immer dabei. Er hat die Arbeit von Reporter ohne Grenzen, wenn es um Einschränkungen der Pressefreiheit ging, sehr geschätzt. So hat Finke die Erfahrung gemacht, dass sich die Organisation im Golfkrieg auch gegen die Auflagen der Amerikaner gewendet hat. "Das könnte im Zuge des Irakkrieges wieder von Bedeutung werden", sagte Finke. In seinem Tagebuch veranschaulicht er das Geschehen mit den Worten:" Die gelben Lebensmittelpäckchen, alles nur Show, damit wir über die guten Amerikaner berichten. Informiert Rumsfeld über die fehlgeleiteten Bomben die wir gesehen haben? Auch die Nordallianz will uns benutzen, doch sie können uns noch nicht genügend kontrollieren."

Reporter ohne Grenzen verteidigt die Freiheit, zu informieren und informiert zu werden.

Das Netzwerk hat seinen Hauptsitz in Paris, wo ein Rechercheteam die weltweite Pressesituation analysiert. In Europa ist die Organisation mit neun Sektionen vertreten, auf jedem weiteren Kontinent werden Kontaktbüros unterhalten.
Ein wichtiges Motiv für die Gründung der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen war der Tod eines Korrespondenten der "Süddeutschen Zeitung". Egon Scotland war 1991 in Kroatien von einem Heckenschützen erschossen worden. Drei Jahre später starteten rund 50 Journalistinnen und Journalisten in Berlin die ehrenamtliche Organisationsarbeit.

"100 Fotos für die Pressefreiheit"
...heißt der jährlich erscheinende Bildband, den jeweils ein Fotograf zu Gunsten von Reporter ohne Grenzen zusammenstellt. Die Pressesituation in 150 Ländern wird darüber hinaus in einem Jahresbericht dokumentiert.
Die Menschenrechtsorganisation bietet konkrete Hilfe für bedrohte Pressemitarbeiter an. Die Handlungsstrategien reichen von der Möglichkeit, durch öffentliche Aufmerksamkeit Schutz zu gewähren, über die Einrichtung internationaler Untersuchungskommissionen, Protestbriefen, bis zum Einschalten internationaler Organisationen, wie der OSZE oder dem Europarat. Unterstützungsmöglichkeiten gibt es auch bei Ausreise "in der Schusslinie" stehender Journalistinnen und Journalisten. Wenn Pressemitarbeiter sich für das Exil entscheiden, werden auch Asylverfahren unterstützt.

Grenzen der Unterstützung

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Unterstützung verweigert wurde, bestätigte Sabina Strunk, Pressesprecherin bei Reporter ohne Grenzen. "Aufrufe zu Terroraktionen" sei für sie eine mögliche Begründung, konkrete Beispiele konnte sie jedoch nicht nennen. Strunk betonte, das Reporter ohne Grenzen "keineswegs zur obersten Zensurbehörde" werden wolle, sondern vielmehr die Absicht bestände, eine Debatte zu ermöglichen.