Russische Journalistin fordert Internationalisierung der Tschetschenienpolitik

Die russische Journalistin Anna Politkowskaja fordert die sofortige internationale Beteiligung an der Beilegung des Bürgerkrieges in Tschetschenien. Ihrer Ansicht nach werden die „russischen Institutionen allein nicht mehr mit dem Problem“ fertig. Besonders kritisiert sie die Position des Europarates, mit dessen Tschetschenien-Beauftragten Lord Judd sie kurz vor der Moskauer Geiselnahme noch gesprochen hatte. Als Politkowskaja ihn auf die furchtbare Radikalisierung in der Krisenregion Tschetschenien aufmerksam machte, meinte Judd einzig, man müsse schleunigst nach einem Vermittler suchen. Politkowskaja sagt, der Westen habe „wohl gar nicht die Absicht gehabt, seine Möglichkeiten wirklich auszuschöpfen. Schon wir Russen gelten dort als Menschen zweiter Klasse, und die Tschetschenen sind dann bestenfalls dritte Wahl.“

Im Moskauer „Nord-Ost“ Theater hatte Politkowskaja, die jetzt in New York mit dem Preis für mutigen Journalismus ausgezeichnet wurde, mit den tschetschenischen Geiselnehmern über eine friedliche Konfliktlösung verhandelt. Über die Geiselnehmer sagte Politkowskaja :“ Sie glaubten an eine Chance, auf diese Weise den Krieg zu beenden. In politischen Dingen waren sie allerdings sehr unerfahren.“ Die Zahl der möglichen Selbstmordattentäter ist sprunghaft angestiegen, weil die Armee in diesem Jahr auf besonders brutale Art so genannte Säuberungsaktionen durchgeführt hat – so, als wolle man den Terrorismus geradezu hervorrufen. Das hat auch bislang gemäßigte Kräfte radikalisiert“.