Einsame Buchten und farbenfrohe Höhlenfresken
Mazedonien hat den ältesten See Europas und der ist umzingelt von Kulturgütern

Der zarte Klatschmohn blüht kräftig in Rot, blaugrün leuchten die Seen und die Berge tragen mit Schneemützen. Die Sonne scheint und unsere Kinder singen fröhlich auf dem Rücksitz: "Die Räder am Auto rollen und rollen...".

Auf der Veranda des Fischrestaurants angekommen, blicken wir auf das Panorama des Ohrid-Sees, dieses ältesten Sees Europas im Süden Mazedoniens. Der See und der Nationalpark ringsum gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. An den felsigen Uferteilen des Sees verbergen sich Höhlenfresken und Felskirchen, die teilweise über tausend Jahre alt sind. Windlichter werfen ihren Schein auf die Gemälde. Zu sehen sind farbenfrohe Bilder von Hirten und Heiligen, direkt auf den Mörtel oder Fels gemalt. Ein abwechslungsreicher Trampelpfad entlang der Wasserkante verbindet die Kulturgüter, ein paar können ausschließlich mit dem Boot erreicht werden. Die Kinder klettern über Baumwurzeln und haben ihren Spaß. Immer wieder nehmen sie zwischendurch ein Bad in dem kühlen See. In den einsamen Buchten sind die Strände nicht länger als zehn Meter und zwischen den an Land gezogenen Fischerbooten quaken die Frösche.

Hier bleiben wir! Direkt am Wasser haben wir uns privat ein Zimmer gemietet, es kostet für zwei Erwachsene und zwei Kinder 17 Euro. Am Abend lassen wir uns die kulinarische Delikatesse Mazedoniens auf der Zunge zergehen: eine Ohrid-See-Forelle. Die Chefin des Lokals nimmt unsere Kinder mit zu ihren nach oben, damit wir in Ruhe genießen können. Bei einem Glas Weißwein dazu, lassen wir die letzten Tage Revue passieren.

Felsenschlucht nahe Skopje

Begonnen hatten wir unsere Reise in Skopje, der Hauptstadt Mazedoniens, einer Großstadt mit einer halben Millionen Einwohnern und allem, was dazu gehört: moderne Einkaufspassagen in der Innenstadt, Kinos, Kaffees, Kneipen, sowie eine Altstadt mit kleinen Läden, Kuppeldächern und Moscheen eng aneinander gereiht. Über allem thront die Burg. Wir schlenderten auf der Steinbrücke über die Vardar und knabberten frisch geröstete Maronen. Wir besuchten den Zoo und einen kleinen Freizeitpark nahe des Stadions mit liebevoll gepflegten ein wenig antiquierten Karussells. Wir kauften gleich zehn Tickets auf einmal für vier Euro und begeistert drehten unsere Kleinen ihre Runden.

Nach zwei Tagen in Skopje fuhren wir mit dem Auto auf der gut ausgebauten Autobahn erst nach Tetovo und dann Richtung Süden. Hinter Gostivar bogen wir ab in die Berge. Die Route führte entlang am Mavrovo-See und durch die jetzt grünen Skigebiete. An einem Abend fragten wir nach einer Pension und wurden kurzerhand an das nächste Kloster verwiesen. Unser altes Auto ächzte den Berg hinauf. Oben wurden wir freundlich aufgenommen und der Pförtner kochte Kaffee. Ein Mönch, schwarz gekleidet in Jeans und Hemd, gab uns zusätzliche Wolldecken: "Hier oben sind die Nächte noch kalt". Am nächsten Morgen bekamen wir eine Einladung zur Andacht in das nahe gelegene Frauenkloster. Neugierig lauschten wir den Gesängen und Gebeten. Dann ging es weiter durch Schluchten mit Kletterwänden zum Ziel: dem Ohrid-See.

Ganz im Süden, direkt auf der Landesgrenze zu Albanien liegt das berühmte Kloster Sveti Naum. In der Mitte steht die Basilika mit ihren byzantinischen Freskenmalereien - wunderschön. Heute ist ein großer Teil des Klosters zum Hotel umgebaut. Nebenan steigen Bläschen in kaltem dunkelgrünen Wasser auf, der wildromantische Quellsee. Von diesem fließt das Wasser in den knapp vier Millionen Jahre alten Ohrid-See. Der ist bis zu 288 Meter tief und sein Wasser schimmert in unergründlichem Blau bis Türkisgrün und sehr geheimnisvoll.

 

 

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