Masala-Weltmarkt am Ende?

Menschen aus verschiedenen Ländern, buntes Treiben auf dem Andreas Hermes Platz, der den Rest des Jahres kahl und verlassen vor sich hindümpelt: Während des Masala-Weltmarktes treten lokale wie internationale Bands auf, Initiativen und Vereine stellen sich vor. Dieses Jahr gab es ihn noch, den phantasievollen Weltmarkt, 10.000 Leute kamen. Umsonst und Draußen. Doch jetzt haben Sponsoren die Gelder gekürzt. Asphalt sprach mit den Veranstaltern Christoph Sure und Gerd Kespohl.

Weltmusik hat immer auch mit Politik zu tun: Christoph Sure (links) und Gerd Kespohl

Asphalt: Durften wir 2007 zum letzten Mal einen Masala Weltmarkt mitfeiern?
Christoph Sure:
Die Finanzierung des Weltmarktes ist in der Tat gefährdet. Ich glaube aber, dass unsere Kooperationspartner wie das Musikzentrum oder der „Verein Entwicklungspolitik Niedersachsen“ mit uns zusammen den Weltmarkt neu konzipieren können. Wir versuchen, interessierte Initiativen und Organisationen der Stadt Hannover mit ins Boot zu kriegen. Zusammen mit dem Integrationsrat wollen wir ein internationales Fest der kulturellen Vielfalt in Hannover aufziehen. Wir haben ziemlich gute Reaktionen von Oberbürgermeister Weil bekommen, der Gesprächsbereitschaft signalisiert. Wir werden mit dem Agenda 21 Büro unmittelbar in Kontakt treten und versuchen, eine neue Konzeption des Weltmarktes zu durchdenken. Es hat natürlich mit Finanzierung zu tun, und da kann man die Stadt Hannover nicht entlassen.
Gerd Kespohl: Die Infrastruktur des Weltmarktes kostet runde 25.000 Euro. Es gibt natürlich auch ein paar Einnahmen über die Standgebühren, aber das ist nicht viel, also im Endeffekt fehlen uns immer 15.000 Euro. Die können wir nicht erwirtschaften, weil es eben keinen Eintritt kostet.

Asphalt: Welche Lösungen könnte es geben?
Kespohl
: In diesem Jahr haben wir Masala-Pins verkauft und eine Tombola gemacht. Insgesamt hatten wir darüber runde 7.000 Euro Einnahmen. Ich glaube, man sollte sich jedoch nicht unbedingt darauf verlassen, dass es jedes

Jahr so funktioniert. Eine Grundfinanzierung von 10.000 Euro müsste eigentlich da sein. Wenn wir da von der Stadt eine Finanzspritze kriegen könnte, wäre das schon einmal ein Schritt nach vorne.

Asphalt: Der Weltmarkt stand 2007 unter dem Motto „Gerechtigkeit jetzt“. Ist damit eine politische Motivation verbunden, die über ein Musikfestival hinausgeht?
Sure:
Ja. Aber das ist nicht unbedingt den Leitlinien der Stiftungen, die uns fördern. Sie geben uns das Geld, damit wir ein qualitativ hochwertiges Musikprogramm organisieren. Für den Weltmarkt ist in Zukunft die Kulturförderung gefragt. Das heißt: Diesen politischen Inhalt müssen wir auch politisch durchsetzten, gemeinsam mit den Ratsfraktionen und mit den Eine-Welt-Gruppen. Die Gruppen allerdings haben selbst wenig Geld, und kommerzielles Sponsoring, das Geld in so eine entwicklungspolitische Arbeit steckt, ist sehr selten.

Asphalt: Ist es denn immer noch euer Ziel: kein Eintritt?
Sure:
Wir könnten natürlich einen Zaun drum herum machen, wie es viele andere Festivals tun, und drei Euro Eintritt verlangen, aber damit wäre die ganze Sache erledigt. Also, wir wollen keinen Eintritt. Denn unser Ziel ist es, auch Menschen, denen es nicht so einfach fällt, Geld für eine Konzertkarte auszugeben, zu ermöglichen, tolle internationale Musik zu hören in einem wunderbaren Weltmarktrahmen.

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