In letzter Minute?

Jetzt, nach der Landtagswahl wird es ernst: Mit neuem Vorstand will das bedrohte soziokulturelle Zentrum „Gartenhaus“ in Hannovers Nordstadt vom Land Niedersachsen seine Existenzsicherung erstreiten. Ausgang ungewiss.


Das neue Führungsteam soll's richten (von links): Rolf Köhne, Wulf Hühn, Annelise Stromeyer, Willi Stromeyer, Noco Nicolaidis

Anheimelnd leuchtet es hinter den Sprossenfenstern des alten Fachwerkbaus zwischen dem kahlen Wintergeäst. Gibt Raum für romantische Träumereien, strahlt Geborgenheit aus. Gerne möchte man einfach reingehn. Kein Problem: Die Tür zum kleinen soziokulturellen Zentrum „Gartenhaus“ in der Nordstadt steht meist offen. Das Angebot ist vielfältig. „Auch sozial Schwächere sind unsere Gäste, neben den warmen Mahlzeiten haben wir ein offenes Ohr“, sagt Nico Nicolaidis, der zu den Urgesteinen des Gartenhauses zählt. Schon bei der Besetzung 1976 war er dabei. Seither nutzten verschiedene Gruppen, wie die iranische Bibliothek, eine Hausaufgabenhilfeinitiative oder auch Feiernde den linken Flügel des Gebäudes. Auf der rechten Seite lebt eine Wohngemeinschaft. „Hier, nimm noch den Flyer mit.“ Nicolaidis drückt werbend das aktuelle Programm in die Hand: die Vortragenden des Nachbarschaftstreffs „Erzählcafe“ sind aufgelistet, die „Afrikanische Nacht“, der Frauentreff, die Rocknacht, der Spieleabend, das Samstagsfrühstück – alles ehrenamtlich organisiert. Jedoch: ein solch offenes Haus braucht eine tragende Struktur, muss finanziert werden.

Daran hat das Projekt in der Vergangenheit immer gekrankt. Vor zwei Jahren hatte die Universität Hannover den Nutzungsvertrag für das Gartenhaus am Judenkirchhof 11 gekündigt, übergab das denkmalgeschützte Gebäude ans Liegenschaftsamt des Landes Niedersachsen. Diese will das Haus verkaufen, für mehr als 150.000 Euro. Mindestens noch einmal 150.000 Euro sind für den Erhalt unabdingbar. Die Bürgerinitiative Gartenhaus durchdachte verschiedene Finanzierungs- und Nutzungskonzepte, der Betrieb als Tagungshaus wurde als unrealistisch wieder verworfen, zweimal wechselte der Vorstand. Ein zusätzlicher Förderverein gründete sich, 62 Mitglieder stark. Nun der neue Vorstand, an seiner Spitze der einstige Bundestagsabgeordnete Rolf Köhne.

Seine Strategie zum Erhalt des 1826 erbauten soziokulturellen Zentrums: „Ich werde mit dem Land über den realen Wert des Gebäudes verhandeln. Mit den Denkmalschutzauflagen ist der Kaufpreis zu hoch. Die Gelder für die Sanierung aber könnten wir aufbringen. Mit vier Euro pro Quadratmeter Miete und über 600 Besuchen im Monat in den soziokulturellen Räumen kann ein Kredit refinanziert werden. Außerdem streben wir weitere Kooperationen an, beispielsweise könnte man mit einem Kinderladen den großen Garten gemeinsam nutzen.“ Von der Straße muss das älteste Gebäude der Nordstadt für die Öffentlichkeit sichtbar bleiben, auch Vorgarten und Mauer stehen unter Denkmalschutz.

Die Auflagen zum Erhalt sind für die Stadt und das Land bindend, Privatpersonen allerdings können den Denkmalschutz aufheben lassen, wenn die Investitionskosten den Verkehrswert überschreiten.

Mitglieder vom Bezirksrat Hannover-Nord beäugen die Arbeit des neuen Vorstands wohlwollend aber zurückhaltend. Fares Rahabi (Die Linke): „Ich kenne das Projekt schon sehr lange, aber es gab in den letzten Jahren viele interne Querelen. Jetzt bin ich hoffnungsvoll, dem neuen Vorstand traue ich es zu, dass strukturelle Defizit aufzuarbeiten.“ Christian Nieße (Grüne), Stellvertretender Bezirksbürgermeister ergänzt: „Über mangelnde Unterstützung aus dem Bezirksrat-Nord kann sich die Gruppe glaube ich nicht beklagen“. Erste Gespräche zwischen Land und neuem Vorstand gibt es in diesen Tagen. Zu einer öffentlichen Stellungnahme vorab war das Finanzministerium gegenüber Asphalt nicht bereit.

von Meike Kloiber

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