Im Friedenseinsatz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Judith Kloiber engagiert sich als humanitäre Helferin. Zurzeit lebt die Bonnerin im tadschikischen Khujand

Acht Wahllokale hat Judith Kloiber in Khujand besucht. "Wir waren zu zweit, begleitet von einer Übersetzerin und einem Fahrer", erzählt die 33-jährige Bonnerin. Im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat sie am 27. Februar die Parlamentswahlen in Tadschikistan beobachtet. Knapp die Hälfte der gut sechs Millionen Einwohner des zentralasiatischen Landes waren an diesem Tag wahlberechtigt. "In einigen der Wahllokale, die in Krankenhäusern, Schulen oder Teehäusern eingerichtet waren, ging es reichlich chaotisch zu", berichtet Kloiber.

Die Auszählung in einem der Wahllokale in Khujand sollte gerade beginnen: "Es herrschte Totenstille und eine unheimliche Spannung, als wir den Raum betraten", beschreibt Judith Kloiber. Und dann hätten sie und ihre Begleiter die Situation sogleich erfasst: Die Wahlurnen waren aus Plexiglas. "Die obere Papierschicht in der Urne war heller, sie hatten sich nicht einmal die Mühe gemacht, die Stimmzettel in die vorgesehenen Briefumschläge zu stecken." Kloiber fragte sich, ob es die Mitglieder der Wahlkommission gewesen sein könnten. Schließlich war sie froh, dass sie nicht eingreifen musste. "Als Zuschauerin fühlte ich mich sicherer", berichtet die OSZE-Beobachterin.

Angeblich haben in diesem Kreis 1.750 Menschen ihre Stimme abgegeben, nur drei mehr hätten es theoretisch, gemäß Wählerverzeichnis, überhaupt sein können. Das offizielle landesweite Endergebnis: Die regierende "Volksdemokratische Partei" unter Vorsitz des Präsidenten Emomali Rachmonow siegte mit unglaublichen rund 80 Prozent, die Wahlbeteiligung lag bei 88 Prozent. Kloibers Resümee: "Ich habe Einiges gelernt über diese Präsidialrepublik."

Nach Khujand, der mit 150.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt des Landes, kam die junge Frau, nachdem ihr Lebensgefährte eine "Joboption" bekommen hatte. So fasste sie den Entschluss, zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn mitzugehen. Tadschikistan ist indes nicht die erste Station der energischen Bonnerin. Seit Jahren arbeitet sie in der humanitären Hilfe und ist überzeugt: "Der lokalen Bevölkerung, dem Einzelnen, helfen wir oft tatsächlich!" Die studierte Ökotrophologin hat eine Lebensmittelverteilung in Serbien aufgebaut, im Kosovo 400 Familien beim Wiederaufbau ihrer Häuser unterstützt und für Straßenkinder entlang der Seidenstraße Kinonachmittage organisiert. Basisstation ist für Kloiber das Oscar-Romero-Haus in der Bonner Nordstadt.

Ihr nächstes Projekt steht schon fest: ein internationales Freiwilligencamp. Ein Puppentheater soll zu neuem Leben erweckt werden. Die Idealistin organisiert zusammen mit einer Organisation vor Ort und dem in Bonn ansässigen "Service Civil International (SCI) dessen erstes Workcamp in Tadschikistan. "Für mich sind internationale Freiwilligenprojekte eine Art der Friedensarbeit. Sie sind eine gute Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen und Vorurteile abzubauen."

taz Köln Nr. 7635 vom 9.4.2005, Seite 4, 100 Zeilen (Portrait)

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