Heinz Rudolf Kunze: „Vorschuß statt Lorbeeren“

Info: Beginn der Veranstaltung:20.00 Uhr
Eintrittspreis: 5,-EUR


Vorschlag Anmoderation:

Heinz Rudolf Kunze kommt heute (5. November) nach Bremen. Im Waldau-Theater liest er aus seinem neuen Werk „Vorschuß statt Lorbeeren“. Seit zwei Monaten ist der Künstler unterwegs um sein neues Buch vorzustellen. Die Lesungen finden in Buchhandlungen genauso wie in Kirchen statt. In Wernigerode zum Beispiel wird die Liebfrauenkirche jetzt als Kulturzentrum genutzt – ein spannendes Ambiente für den selbst ernannten verbalen Rotzlöffel. Meike Kloiber hat ihn besucht.


Beitrag:

1. O-Ton Lesung:
Applaus

2. Moderation:
Der Mann mit der markanten schwarz gerahmten Brille, leicht angegrautem Haar und dunkler schlaksiger Kleidung betritt die Bühne: Heinz Rudolf Kunze. Er nimmt Platz unter dem dunkelbraunen Holzaltar der Liebfrauenkirche in Wernigerode. Über ihm schwebt ein Ölgemälde mit dem Gekreuzigten, eingerahmt von zwei massiven Holzsäulen. Gelassen beginnt Heinz Rudolf Kunze aus seinem Buch „Vorschuß statt Lorbeeren“ zu lesen. Die Texte tragen Titel wie Bitte sprechen sie nach dem Signalton, Reich ins Heim oder einfach nur Glied.

3. O-Ton Lesung:
Die Leute sind unglaublich tolerant sie gehen wahnsinnig locker damit um, dass ich den ganzen Tag mein Glied festhalte, aber wenn ich sage, dass ich der Mann bin, der den ganzen Tag sein Glied festhält, dann meine ich das auch so. Ein Mann, ein Wort, Ein Glied.

4. Moderation:
„Ich habe ja nicht gesagt welches“ schiebt Heinz Rudolf Kunze wie ein Lausbube hinterher. Ein anderer Text hat die Überschrift „Liebeserklärung“: Ich möchte nicht deine Hand halten, sondern deine Brüste. Ich möchte dir nicht tief in die Augen schauen, sondern in den Slip. Herr Kunze, wie kommen sie auf solche Texte?

5. O-Ton Kunze:
Also auf das spezielle Ding komme ich einfach durch diese fürchterlich geheuchelte Sprach im deutschen Schlager aber wahrscheinlich im englischen auch. Was die da so singen, das ist alles so verlogen, dass stimmt ja alles gar nicht, es geht auch bei denen immer nur um Sex eigentlich, aber nie einer sagt es und dieses um den heißen Brei herum schleimen hat mich irgendwann so aufgeregt, dass ich das mal richtig stellen wollte.

6. Moderation:
Das Buch mit dem dunklen Umschlag und Portrait des Künstlers auf der Vorderseite ist eine Sammlung verschiedenster Texte, auf Wusch der Hörer entstanden.

7. O-Ton Kunze:
Das ist schon das siebte Buch und das hat die Musik eigentlich begleitet, weil sehr früh von den Hörern die Frage kam, „gibt es da nicht noch irgendwie mehr außer diesen Liedtexten“? Und da habe ich gesagt, „ja klar gibt’s da mehr, jede Menge, der Schreibtisch ist vollgestopft“ und so ist dann dieser Service für die Hörer daraus geworden, dass alle zweieinhalb, drei Jahre ein Buch kommt, wo einfach alles reingesteckt wird, was ich erwähnenswert halte und was ich nicht weggeschmissen habe und deswegen sind diese Bücher auch alles Kraut und Rübensammlungen. Es gibt da kein da kein Oberthema, es handelt von Gott und der Welt und es ist einfach alles was mit einfällt.

8. Moderation:
Der Weltenbummler, wie er sich selber nennt, tourt gerade durch Deutschland. In seinen Lesungen geht es auch um Quisshows: wer vorsagt und ob es wohl auch ein Hamster mit Alzheimer wüßte.

9. O-Ton Lesung:
Ich hasse es wie du bei Quisshows sogar die erste Antwort auf die 50 – Euro - Frage vorsagst, eine Frage mit solcher Schwachsinnigkeit, dass sie selbst ein Hamster mit Alzheimer unter Elektroschocks beantworten würde und wie du triumphierst, wenn du es wußtest.(Gelächter)

10. Moderation:
Das Gotteshaus im Umbruch ist gut besucht. Die rund einhundert Kirchgänger haben jedoch sehr unterschiedliches erfahren.

11. O-Ton Zuschauer:
Ja, ich war sehr beeindruckt vor allen Dingen von der Spitzensprache. / Manchmal ist es nur so platitudenhaft, so kalauerartig, also einfach nur eine Reihung von Worten, hört sich zwar wiederum lustig an, ist für mich aber keine Literatur in dem Sinne. / Es sind alles Texte zum Nachdenken, da ist nichts, wo man sagen könnte, das war langweilig.